Kafkas Interview

Die Kafkas gibt es auch schon eine Weile und meines Wissens nach haben die mittlerweile zwei Longplayer rausgebracht. Richtig aufmerksam bin ich auf die aber erst durch ihr Engagement in den Songs für Tierrechte geworden. Deshalb hat es sich dann angeboten ein Interview mit den Jungs zu machen, was ich dann mit Markus per eMail geführt habe. Ich persönlich fand das Interview sehr interessant und ich hoffe euch gefällts auch.

OK, für diejenigen, die euch noch nicht kennen, stellt euch doch einfach mal kurz vor.
Unser Schlagzeuger heißt Marcus Huberta Kafka, unser Gitarrist Peter Caroline Kafka, unser Bassist Andreas Agnes Kafka und dann haben wir noch einen Gitarristen, wenn ich mich richtig erinnere - namens Daniel Jutta Kafka - ja, und ich -Markus Gabi Kafka - Büro, Geld, Verwaltung, ein-bisschen-Gitarre, Gesang und was sonst so noch nicht so viel Spass macht.... Wir suchen zur Zeit noch Verstärkung an der Gitarre - wer also, Zeit und Lust hat... (allerdings kann es sein, dass wir gerade eine Neu-Formierung vornehmen...)

Wie lange seit ihr schon in der Punk-Szene aktiv, wie seit ihr mit Punk in Berührung gekommen und wie (und wann) seit ihr dann auf die Idee gekommen, eine eigene Band ins Leben zu rufen?
Ich antworte jetzt mal einfach nur für mich - sonst wird`s zu kompliziert und ein Buch... Ähm, aktiv - also, damit begonnen Konzerte zu organisieren, habe ich so 1994/1995. Die Idee eine Band zu gründen hatte ich bestimmt schon 1990 - oder noch früher?? - weiss ich wirklich nicht mehr so genau...
Zum erstenmal Berührung mit der Punkszene hatte ich über meine Nachbarin, die war Pankerin und hatte mich manchmal zu so konspirativen Treffen mitgenommen. Aber wirklich Bedeutung bekam Punk für mich erst ein bisschen später, als auf meiner Schule so unglaublich viele DVU- und Republikaner- (für die jüngeren unter euch - diese Parteien waren Ende der 80iger `mal sehr erfolgreich in Deutschland...) - Aufkleber die Koffer von Mitschülern zierten. Da empfand ich Texte von Bands wie den Fehlfarben, Tote Hosen (1000 Gute Gründe), DEAD KENNEDYS, SEX PISTOLS oder THE CLASH echt befreiend - das brachte dann mein Punkinteresse ins Rollen...

Wie hat sich die Band seit der Gründung entwickelt (Mitgliederwechsel, Veröffentlichungen, Konzerten ,...)?
Na ja - zum einen ist man älter geworden - Mitglieder wechseln bei uns mit der nächsten Fernsehzeitung und konzertmässig ist es erfreulicherweise angenehmer geworden - also, es kommen schon in der Regel mittlerweile Leute zu unserem Konzert, die vorher wissen was sie erwartet und sich dann dafür interessieren und deshalb kommen oder eben nicht - und dann wegbleiben. Die Konzertbesucheranzahl hat sich schon über die Jahre erhöht - also, bis jetzt zumindest...

Seit eurer ersten Veröffentlichung sind eure ganzen Veröffentlichungen ja mehr oder weniger in Eigenregie entstanden. Wie wichtig ist für euch der DIY-Spirit eurer Veröffentlichungen??
Also, ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich durch das D.I.Y.-Ding gewonnen habe - im nachhinein auch für die negativen.... Ich denke auch, dass es für uns sehr wichtig war, einen Einblick in die Zusammenhänge zu erhalten - man geht dann (hoffentlich) anders mit Dingen um, wenn man es selber schon `mal erlebt hat - man sieht halt beide Seiten... Beim Musik machen lernt man leider sehr oft Leute kennen, die einem alles versprechen - da liegt die Versuchung sehr nahe, vieles zu glauben und sich dadurch auf schlechte Bedingungen einzulassen. Deshalb ist es ganz gut erst eigene Erfahrungen zu machen. Das heißt aber nicht, dass ich eine Zusammenarbeit mit anderen kategorisch ablehne und verteufle. Nein - es ist aber wahrscheinlich schwierig, die richtigen Leute für eine gute Zusammenarbeit zu finden. Fakt ist natürlich auch, dass man zu Zweit oder zu Dritt theoretisch auch mehr auf die Beine stellen kann. D.I.Y. ist für uns keine Religion.

Ist bei euch eigentlich auch wieder was neues geplant oder kann man in nächster Zeit mit keiner neuen Veröffentlichung von euch rechnen.
Wir nehmen ja schon seit einiger Zeit fleissig auf. Wann das neue Album genau fertig ist, wissen wir allerdings noch nicht. Das hängt von vielen Faktoren zusammen. U.a. auch von der Finanzierung... und die ist von der Zahlungsmoral abhängig. Wir wohnen auch alle sehr verstreut mittlerweile - alle so 100 km voneinander entfernt, das macht vieles auch nicht gerade leichter. Aber wir werden in den nächsten Monaten hoffentlich etwas veröffentlichen können...

Ihr habt da auch eine MCD zusammen mit "MARCUS MIT C" gemacht, der ja durch einen Unfall mit einer schweren Behinderung zu kämpfen hat. Wie kam diese Projekt zu Stande und was hat es mit diesem Projekt auf sich?
Marcus hatte mir irgendwann mal ein Fax geschickt, weil er Bands seine Texte anbieten wollte. Aber da ich so ein Egozentriker bin und möglichst nur eigene Texte singen möchte, habe ich ihm abgesagt. Er kam dann irgendwann `mal auf ein Konzert von uns und erzählte mir von seinem Traum selber Musik machen zu können und eine eigene Band zu haben. Doch durch seine Behinderung ist er sehr eingeschränkt und hat noch keine eigene Band zusammenbekommen. Da kam uns die Idee, dass wir ihm unsere Studiobänder geben könnten. Das haben wir dann auch gemacht und Marcus hat dann ihm Studio seine eigenen Texte dazu eingesungen.

Ihr engagiert euch in der Tierschützer-Szene. Viele Punk-Bands erheben für sich zwar einen politischen Anspruch, es gibt aber wirklich nur wenige, die auch in der Tierschutz-Szene aktiv sind. Wie seit ihr dazu gekommen und in wie weit seit ihr da selbst auch aktiv??
Ich sehe unsere Musik und Texte als Plattform an, die ich nutzen möchte, um denen eine Stimme zu geben, die in unserer derzeitigen Gesellschaft keine Lobby haben. Es liegt mir am Herzen, auf unseren selbstverständlichen, lebensverachtenden Umgang mit Schwächeren, in dem Fall Tiere, aufmerksam zu machen. Ähm, wie ich dazu gekommen bin, ist schwer zu beantworten- das sind ja Prozesse und Erfahrungen, die einen dazu führen. Es gab kein Schlüsselerlebnis, dass mich dazu getrieben hat, sich für Tierrechte einzusetzen. Was den Fleischkonsum selbst angeht, so gab es eine Dokumentation über den perversen und grausamen Alltag in der Fleischindustrie - diese Bilder konnte ich nicht mehr vergessen und haben mich endgültig dazu veranlasst, auf Fleisch- und Wurst-Produkte zu verzichten - wobei dies nichts mit einer asketischen Lebensweise zu tun hat - im Gegeteil: Dieser Schritt hat mein Leben definitiv bereichert! Es sind Lebewesen mit Gefühlen und Bedürfnissen, die in Schlacht- und Nutz-Tiere eingeteilt werden - keinerlei Rechte haben und bis ins kleinste Detail professionell ausgebeutet werden. Doch da ich selber ein möglichst schmerzfreies, freies Leben führen möchte, kann ich dies anderen Lebewesen nicht für eine Gaumenfreude oder ein Bekleidungsstück absprechen. Das ließe sich mit meiner Weltanschauung nicht vereinbaren. In wieweit ich selber in dem Bereich aktiv bin? Na ja, ich versuche meinen möglichen Teil zu einer gesellschaftlichen Weiterentwicklung, beizutragen - zum einen durch die Auswahl der Produkte, die ich konsumiere, zum anderen durch das Spenden von Geldern, durch Diskussionen oder eben unsere Musik. Ich teile mir die Wohnung seit einigen Jahren mit Schweinefräulein Paula Paulinski - die junge Dame sollte geschlachtet werden. Jetzt lebt sie seit ein paar Jahren mit uns zusammen und bereichert dabei unseren Alltag. Dann gibt es seit einiger Zeit noch einen verhaltensgestörten Hund, den wir von einer Arschloch-Schläger-Familie geholt haben und wenn alles klappt werde ich demnächst meinen eigenen kleinen Gnadenhof aufmachen.

Ernährt ihr euch denn vegetarisch oder sogar Vegan. Und was war für euch der Grund, diese Ernährungsweise zu wählen??
Es gab und gibt für mich nicht nur einen Grund, dass ich mich für eine vegetarische Lebensweise entschieden habe - sondern eigentlich gib es NUR Gründe! Ich möchte mich so weit wie möglich nicht an einer lebensverachtenden Ausbeutung von anderen Lebewesen beteiligen. Ich würde mir wünschen, dass jedes auf diesem Planeten geborene Lebewesen, ein schmerzfreies, möglichst unversehrtes Leben führen kann. Ich versuche so weit wie möglich vegan oder verantwortungsbewußt zu leben. Naja, ich kann nicht einerseits rumjammern, wie scheisse und ungerecht alles ist und dann andererseits selber anderen Lebewesen wirklich jedes Recht und alles lebenswürdiges absprechen. Das was die sogenannten Schlacht- und Nutztiere ertragen müssen ist dermassen unglaublich grauenhaft, pervers und abartig - wer sich noch nicht darüber informiert hat, sollte dies bitte schleunigst tun...

Wenn man auf eurer Homepage die Startseite betrachtet findet man sehr viele Gedanken zu aktuellen politischen Themen. Bedeutet Punk für euch automatisch auch, sich politisch zu engagieren?
Nein, das nicht - aber ich finde, jeder - egal ob Punk oder nicht, hat eine gewisse Verantwortung - und man sollte seine Möglichkeiten nutzen. Das ist man meiner Meinung nach auch denen schuldig, die keine Möglichkeiten haben! Da hat Punk für mich keine Sonderstellung. Ich möchte auch keine Grenzen mit Das ist Punk und das nicht.

Mittlerweile gibt es ja ein immer größer werdende unpolitische Punk-Szene und teilweise sogar patriotische Punks. Wie steht ihr zu dieser Entwicklung. Was haltet ihr denn im allgemeinen von der Oi-Punk-Szene?
Ob die Punkszene insgesamt immer unpolitischer ist als noch vor ein paar Jahren, weiß ich nicht. Eine komplette Szene - in dem Fall die Oi-Punk-Szene zu beurteilen oder verurteilen, ist etwas schwierig, da man dabei Menschen automatisch vereinheitlicht und pauschalisiert. Ich kann das Verhalten einer Person beurteilen, finde es aber nicht gerecht, so etwas wie Kollektiv-Schuld zu vergeben - was ich natürlich leider auch manchmal mache. Von Bierzelt-Trachten-Bratwurst-Mentalität halte ich persönlich wenig bis gar nichts. Patriotismus egal welcher Szene-Zugehörigkeit, separiert, anstatt zu verbinden und wird in der Regel benutzt um Feindbilder aufzubauen - das hat schon unzählige Leben gekostet - dass ich damit nichts anfangen kann, muss ich nicht weiter erklären, oder?

Die Kriegsgegnerschaft von Gerhard Schröder hat ja maßgebend dazu beigetragen, dass er die Wahl gewonnen hat. Auf den Friedensdemos findet man teilweise Plakate wie "Weiter so Gerhard" und auch in der Wählergunst ist die SPD dankt ihres "Pazifismus" wieder am steigen. Wie steht ihr zu dieser Entwicklung und wie steht ihr zum Irak-Krieg?
Na ja, es ist zwar für mich durchaus gewöhnungsbedürftig, wenn MEINE Meinung auch `mal die der breiteren Masse ist - aber deshalb möchte ich sie nicht negieren und bin froh, wenn sich Leute für eine, meiner Meinung nach, gute Sache engagieren. Es zwar von manchen immer wieder versucht, den Menschen glaubhaft zu machen, sie müssten sich zwischen Saddam und Georg W. entscheiden - aber ich denke, es gibt eine Menge dazwischen...

Viele Leute fordern wegen dem Irak-Krieg amerikanische Produkte zu boykottieren. Wie steht ihr zu diesem Boykott-Aufruf? Ist das nicht einfach stumpfer Anti-Amerikanismus und gibt es nicht vielleicht viel bessere Gründe McDonalds, CocaCola & Co zu boykottieren?
Also, im Fall der genannten Firmen gibt es natürlich unzählige Gründe, die für einen Boykott sprechen - ich boykottierte diese auch schon vor Beginn des letztes Irak-Krieges so weit wie möglich. Ich halte den Boykott von bestimmten Produkten schon für ein geeignetes Mittel, sich an einer Sache nicht zu beteiligen und nicht zu fördern. Das mache ich ja z.B. im Bezug auf Fleischprodukte auch. Zu sagen, dass man generell Produkte aus Amerika (oder England eigentlich auch) boykottieren sollte, würde die Zusammenhänge zu sehr vereinfachen und der Sache nicht gerecht werden - es gibt ja auch amerikanische Firmen und Personen, die nicht dem Krieg zugestimmt haben - und das bestrafen aufgrund der Nationalität oder der jeweiligen Regierung, halte ich in diesem Fall für den absolut falschen Weg.

Auf eurer Homepage habt ihr ja auch einen kleinen Online-Shop. Die Auswahl ist nicht sehr groß, was sind für euch da die Kriterien, eine Platte dort zu verkaufen. Wird da nur verkauft, was euch gefällt, oder sind das einfach die Platten, die ihr vielleicht im Tausch gegen eure Platten bekommt??
Also, wir würden natürlich keine Bands anbieten oder unterstützen, von denen wir wissen, dass sie beispielsweise der rechten Szene zugehörig sind oder die Ausbeutung von Menschen oder Tieren unterstützen. Aber wir verfügen leider nicht über die finanziellen Mittel, um einen Online-Shop, der unserer Meinung nach wichtige Cds, Magazine oder Bücher enthält, zu organisieren. Was ich gerne anbieten würde wären vegane Lebensmittel und tierversuchefreie, pflanzliche Kosmetik-Produkte. Das hatte ich schon vor ein paar Jahren versucht zu vertreiben, aber die Nachfrage ist nicht so schnell wie das Verfallsdatum der Produkte - aber wenn ich es mir mal leisten kann, werde ich es nochmal probieren... Ein grosser Teil der aktuellen Liste sind Kommissions-Sachen oder Tausch-CDs.

Wo wir schonmal bei Thema Internet sind: Was haltet ihr vom Internet im Allgemeinen und vor allem von MP3s. Viele Bands und Labels beschweren sich ja, dass dadurch viel weniger Platten verkauft werden und stehen der ganzen Sache eher kritisch gegenüber. Wie steht ihr dazu und merkt ihr auch, dass sich mehr Leute eure Veröffentlichungen lieber irgendwo im Internet runterladen, als sich die Platte zu kaufen?
Naja, es gibt natürlich wie bei fast allem Vor- und Nachteile. Ein wichtiger Vorteil ist, dass man (wenn man einen Internetzugang hat), für jeden auf diesem Planeten erreichbar ist - unabhängig von Märkten. Ich denke, dass ist gerade für eine unabhängige Musikszene sehr wichtig. Auch Informationen können dadurch immer schneller verbreitet und zugänglich gemacht werden. Mit den MP3s sehe ich es so, dass ein Teil derer, der sich MP3s runterlädt kein Album von uns gekauft hätte - natürlich ärgert es einen, wenn man versucht etwas auf die Beine zu stellen und dabei auch finanzielle Unterstützung braucht (z.B. für die Aufnahmen) und dann jeder deine Musik, ohne dich in einer Weise zu unterstützen, konsumieren kann. Jeder sollte sich darüber im Klaren sein, dass er die Bands, die ihm wichtig sind auch finanziell unterstützen sollte, da denen wahrscheinlich früher oder später die Luft ausgeht... wenn man selber keine Musik macht ist es teilweise schwierig zu wissen, welche Geld-Summen verschlungen werden. Wenn jemand unsere Musik gut findet und nicht genug Geld für ein T-Shirt und eine CD hat, dann habe ich kein Problem damit, wenn er sich ein paar Stücke brennt oder runterlädt und uns trotzdem finanziell mit einem T-Shirt unterstützt. Fairniss finde ich halt wichtig.

Wie steht ihr zum Thema Drogen (Alkohol, Marihuana, Zigaretten und auch harte Drogen) und seit ihr für eine Legalisierung von Canabis (mit Begründung)?
Ja, ich bin für die Legalisierung von Canabis - auch wenn ich es selber nicht konsumiere - zum einen, weil ich Verbote für uneffektiv halte und auf diese Weise viele Konsumenten in eine kriminelle Ecke gedrängt werden. Es wird Menschen hiermit nicht geholfen, sondern ein illegaler Stempel aufgedrückt. Das ist kein Appell meinerseits Canabis zu konsumieren oder die Gefahren runterzuspielen - aber ich halte es für sinnvoller an Stelle von Verboten, über die Gründe von Abhängigkeiten und den Alternativen nachzudenken und wirkliche Hilfe anzubieten.

Welche Bands hört ihr privat gerne und was sind eure momentanen 5 Lieblingsplatten??
Propagandhi!!!!!! Mit Abstand meine absolute Lieblingsband. Aber auch Social Distortion oder New Order. Aber hören tue ich eine Menge - wirklich sehr verschiedenes Zeug.

OK, das wars dann auch schon. Vielen Dank fürs Interview und hier könnt ihr noch ein paar Worte zum Ende des Interviews von euch geben.
Danke für das Interview! Markus Gabi Kafka.