Oi Polloi - Plattenkritiken

Oi Polloi - Fight Back - LP / Campary Records

Tracklist:

Side 1:
01.) Go Green
02.) You Cough/They Profit
03.) Punx or Mice?
04.) Nuclear Waste
05.) The only release?
06.) Apartheid Stinx


Side2:
01.) Boot Down the door
02.) Americans out
03.) Thugs in Uniform
04.) Pigs for Slaughter
05.) Rich Scumbag
06.) Never give in

Kritik:

Nach ein paar Singles auf Campary Records sind Oi Polloi mit dem
neuen Album jetzt definitiv auf Campary Records gelandet. Leider
fällt jetzt das Booklet auch nicht so ausführlich aus, wie man es
von Skuld Releases gewohnt war. Die LP kommt nur mit einem kopierten
DinA4 Zettel mit einigen Lyrics und Adresse.
Das ist aber auch das einzige, was ich an der Platte zu bemängeln habe.
Oi Polloi liefern hier wieder genialen Anarcho-Punk mit sehr intelligenten
Texten. Das es sich in den Texten hauptsächlich um Politik dreht muss man
bei Oi Polloi wohl nicht mehr sagen. Ich frage mich einmal mehr, wieso
die ein "Oi" in ihrem Namen tragen. Mit stumpfem Oi-Punk hat das nämlich
glücklicherweiße nichts zu tun. Stattdessen bekommt man hier intelligenten
Anarcho-Punk, der direkt in die Fresse trifft.
Meiner Meinung nach gehören Oi Polloi zu den Besten in ihrem Fach, was
sie mit diesem Albu mal wieder beweißen. Song wie z.B. "Punx or Mice?",
"Nuclear Waste", "Americans Out", "Thugs in Uniform" oder "Rich Scumbag"
lassen keine Fragen offen.





Oi Polloi / Nikmat Olalim - Split - LP / Campary Records

Tracklist:

Nikmat Olalim:
01.) No Way Out
02.) Ghetto Syndrome
03.) One in a million
04.) The complete destruction of Israel
05.) Selective Blindness

Oi Polloi:
01.) Deiseil's Deònach
02.) They shoot children don't they?
03.) Saorsa do vanunu
04.) Fuadaichean 2005

Kritik:

Nach langen Verzögerungen (eigentlich sollte die Split LP schon
seit über einem Jahr draussen sein), kommt jetzt die Split-LP
von den Anarchopunk-Urgesteinen Oi Polloi mit der israelischen
Band Nikmat Olalim. Alleine das Cover der Oi Polloi Seite macht
klar, dass diese Split-Scheibe für einige Diskussionen sorgen
dürfte und das zu Recht.
Beginnen wir mit Nikmat Olalim. Wie bereits erwähnt kommt die
Band aus Israel, allerdings habe ich keine Ahnung seit wann sie
schon existiert. Jedenfalls haben Nikmat Olalim bisher mindestens
eine 7" und eine Split 7" veröffentlicht. Ich habe sie vor ca.
einem Jahr mal live in Mannheim gesehen und fand sie doch eher
langweilig. Auch auf Platte können sie mich mit ihrem schnellen
Anarcho-Punk nicht wirklich überzeugen. Gehen in eine ähnliche
Richtung wie Oi Polloi, allerdings etwas rauer und teilweise
auch schneller. Allerdings sind die fünf Songs überhaupt nicht
eingängig und können mich absolut nicht vom Hocker reisen.
Auf der anderen Seite kommen dann 4 neue Songs von Oi Polloi.
Über die Anarchopunk-Legende aus Schottland muss ich wohl nicht
mehr viel erzählen, dürften wohl den meisten bekannt sein.
Musikalisch hat sich nicht viel geändert. Wütender Anarcho-Punk,
wie man ihn von der Band kennt. Wie bei ihrer letzten Single
kommen drei der vier Songs auf gälisch daher, leider gibts dafür
keine Übersetzungen ... oder vielleicht ist das auch besser so.
Oi Polloi sind für ihre einseitige Stellungnahme zum Nahost-
Konflikt bekannt. Auch hier setzen sie sich ziemlich unreflektiert
für den palästinensischen Widerstand ein, was u.a. in einem langen
Statement im Booklet klar wird, aber eigentlich auch schon durchs
Cover oder den Text zu "They shoot children don't they". In dem
Statement im Booklet gibst zudem auch wieder den völlig unpassenden
Hitler / Bush Vergleich. Dieser Vergleich geht einfach völlig an
den Realitäten vorbei und stellt eine krasse Verharmlosung Hitlers
dar. Insgesamt wird von Oi Polloi einfach nicht reflektiert, dass
der Staat Israel durch den Holocaust eine ganz andere Existenz-
berechtigung hat, als jeder andere Staat. Genauso wenig wird beachtet,
dass Israel durch ständige Selbstmord-Anschläge (bei welchen es nur
darum geht, so viele unschuldige Zivilisten wie möglich zu töten)
oder Raketen-Angriffe auf israelische Städte (diese Angriffe gibt
es eigentlich fast täglich) in seiner Existenz bedroht ist. Natürlich
heisst dies nicht, dass das Handeln der israelischen Regierung oder
der israelischen Armee nicht kritisiert werden darf, auch hier gibt
es sicherlich einiges zu kritisieren. Allerdings sollte immer im
Hinterkopf behalten werden, dass Israel als jüdischer Staat zum Schutz
vor Antisemitismus gegründet wurde und diese Funktion auch heute
noch hat. Zudem kann ich beim palästinensischen Widerstand eher
antisemitische als emanzipatorische Ansätze erkennen.
Es ist natürlich völlig unmöglich dieses Thema in einer Plattenkritik
abzuhandeln, jedenfalls finde ich die Texte beider Bands auf dieser
Platte ziemlich unreflektiert und einseitig. Ich hoffe ich konnte
meine Kritikpunkte klar rüberbringen. Wenn bei Leuten zu diesem
Thema Diskussionsbedarf besteht, können sie sich gerne per E-Mail
bei mir melden, stehe immer für Diskussionen/Fragen/Kritik zur
Verfügung ...