Bücher-Kritiken

Lee Hollis - Strategy for victory - Buch - 110 Seiten / Ventil Verlag

Cover:

Kritik:

Lee Hollis dürfte den meisten unter euch wohl als Sänger
der Spermbirds und Steakknife bekannt sein. Dass er auch
schreibt und mit seinen Geschichten schon diverse Bücher
veröffentlicht hat, sollte sich mittlerweile auch rumgesprochen
haben. Mit "Strategy for Victory" gibts jetzt ein neues Buch
des mittlerweile 45-jährigen.
Neben einem Vorwort von Nagel (Muff Potter) gibts diesmal
25 neue Kurzgeschichten von Lee Hollis zu lesen. In diesen
verarbeitet er in ziemlich witziger Weise Alltagsgeschehnisse,
die in den meisten Fällen mit fiktiven Inhalten erweitert
werden. OK, wenn ich mir das Buch so durchlese, sind auch
viele Geschichten komplett an den Haaren herbeigezogen,
könnten sich aber auch fast so abgespielt haben wenn man
den Autor kennt ;-) Geschrieben ist das Ganze in sehr
einfachem Englisch, mit viel Witz und Ironie. Viele der
Geschichten drehen sich um sein Leben als Punk-Rocker,
Barkeeper oder spielen in seiner Jugend. Das Buch ist
jedenfalls extrem kurzweilig, sehr leicht zu verstehen
und um Längen besser als das Geschreibe von Henry Rollins ;-)
Wer Lee Hollis' Bands mag, sollte auf jeden Fall auch mal
ein Buch von ihm antesten. Ich habe bisher neben dem hier
vorliegenden Buch nur "Monsters!" von ihm gelesen, finde
"Strategy for victory" aber bisher am besten. Schade dass
ich bisher alle Lee Hollis Lesungen in der Umgebung verpasst
habe, beim nächsten Mal bin ich sicherlich dabei!





Anne Hahn / Frank Willmann - Satan, kannst du mir noch mal verzeihen - Buch - 175 Seiten / Ventil Verlag

Cover:

Kritik:

"Otze Ehrlich, Schleimkeim und der ganze Rest" lautet der
Untertitel dieses Buches und somit dürfte auch klar sein,
um was es darin geht.
Schleimkeim waren eine der ersten deutschsprachigen Punk-
Bands (neben Slime), mit denen ich in Berührung kam. Von
einem Kumpel bekam ich zusammen mit dem ersten Slime Album
die "Drecksau" Single von Schleimkeim ausgeliehen. Damals
kannte ich die Band überhaupt nicht und war etwas irritiert
als mein Kumpel mir erzählte, dass Otze - der Schleimkeim-
Sänger - mittlerweile in der Psychatrie sitzt, weil er
seinen Vater erschlagen hat.
Das hier vorliegende Buch dreht sich auch hauptsächlich um
Otze Ehrlich, den Sänger der Band. Im ersten Teil des Buches
kommen verschiedene Personen zu Wort, die Otze alle persönlich
kannten und geben die ein oder andere Anekdote von ihm zum
Besten. Mit dabei sind u.a. Schleimkeim-Bandmitglieder, Punks
aus der DDR, Kirchenmitarbeiter die damals Punkkonzerte in
der DDR veranstaltet haben, Höhnie und viele mehr. Die
Geschichten sind mal mehr, mal weniger unterhaltsam geschrieben,
beinhalten aber meist ein paar neue Details zu Schleimkeim oder
zu Otze selbst. Was für ein Typ war Otze? Wie kam überhaupt der
Name Otze zustande? Hat Otze tatsächlich zeitweise für die
Stasi gearbeitet? Alles interessante Fragen, die hier beantwortet
werden.
Der zweite Teil des Buches besteht dann aus Recherchen zu Otzes
Person von der Herausgeberin des Buches, Anne Hahn. Hier gehts
speziell um den Lebenslauf und es werden die Ergebnisse des
ersten Teil des Buches zusammengetragen.
Im letzten Teil gibts schließlich noch diverse Interviews mit
Otze zu lesen, die auch alle sehr interessant sind, da er hier
auch selbst mal zu Wort kommt.
Neben den Texten beinhaltet das Buch auch viele Fotos von Otze/
Schleimkeim aus DDR-Zeiten, Kopien von Stasi-Protokollen, Cover-
Abbildungen etc.
Wer Schleimkeim mag und ein paar Platten der Band im Schrank
stehen hat, sollte sich das Buch auf jeden Fall zulegen. Ich
fand das Buch sehr kurzweilig und interessant und habe auch
viel neues zum Thema Schleimkeim / Otze Ehrlich erfahren.





Nagel: Wo die wilden Maden graben - Buch - 240 Seiten / Ventil Verlag

Cover:

Kritik:

Nagel dürfte als Sänger von Muff Potter den meisten unter
euch bekannt sein. Zudem war er in den 90ern Mitherausgeber
des Wasted Paper Fanzines, welches ich leider selbst noch
nie in den Händen hatte, was ich nach dem Lesen dieses Buches
aber definitiv mal nachholen will. Mit "Wo die wilden Maden
graben" gibts jetzt auch das Roman-Debüt.
Bei dem Buch handelt es sich um eine Art Tourtagebuch, das
aber wesentlich weitergeht und richtig gut und unterhaltsam
geschrieben ist. Neben den Tourerlebnissen gibts im Buch
auch noch jede Menge Alltagsgeschichten und weitere Gedanken
von Nagel zu lesen. Oftmals gibts dabei auch Rückblicke über
das Leben als Jugendlicher in einer langweiligen, spiessigen
deutschen Kleinstadt. Wer sich - wie auch Nagel - selbst schon
seit einigen Jahren in der Punk/Hardcore-Szene bewegt, fühlt
sich wohl bei vielen Erzählungen an die eigene Jugend erinnert
und findet sich im Erzähler oftmals wieder ... zumindest ist
es mir so gegangen. Vor allem wenn es um Treffen mit irgendwelchen
Personen geht, die den gewählten Lebensweg kein bisschen
nachvollziehen können. Super Buch, das ich auf jeden Fall
bedenkenlos weiterempfehlen kann. Definitiv auch für Leute
geeignet, die mit Muff Potter nie was anfangen konnten oder
mittlerweile nichts mehr anfangen können. Für mich ist vor allem
die zweite Muff Potter Platte "Schrei wenn du brennst" eine der
besten deutschsprachigen Punk-Platten, die je erschienen ist.
Mit den neuen Sachen kann ich musikalisch überhaupt nichts mehr
anfangen. Nach dem Lesen des Buchs finde ich Nagel einen extrem
sympathischen Menschen und gönne der Band die Möglichkeit, von
ihrer Musik leben zu können ohne allzugrosse Kompromisse
einzugehen. Wesentlich besser als 40 Stunden die Woche
irgendeinen anderen bekackten Job machen zu müssen, um irgendwie
Geld zum Leben zu haben.
Wie am Anfang bereits erwähnt, würde ich gerne mal alte Wasted
Paper Ausgaben lesen. Falls jemand welche loswerden will, bitte
bei mir melden ;-)





Penny Rimbaud: Shibboleth - My revolting life - Buch - 285 Seiten / Ventil Verlag

Cover:

Kritik:

Crass waren wohl ohne Frage eine der einflussreichsten,
unkommerziellsten Anarcho-Punk-Bands die es jemals gab.
Penny Rimbaud war nicht nur ihr Schlagzeuger, sondern
auch hauptverantwortlich für die hochpolitischen Texte,
für die die Band bekannt war. Mit "Shibboleth - My
revolting life" kam vor ein paar Jahren seine Autobiografie
raus, die jetzt dank dem Ventil Verlag auch in deutscher
Sprache verfügbar ist.
Zeitlich beinhaltet diese hauptsächlich die aktiven Crass-
Jahre. Gegründet wurde die Band im Jahr 1977 und 1984 lösten
sie sich wieder auf. Die Autobiographie beginnt noch bevor
Penny Rimbaud bei Crass aktiv wurde, beschreibt dann weiter
die Gründung der Kommune, das Zusammenleben, das "größer-
werden" von Crass, die politischen Inhalte hinter der Band,
die Arbeit von Crass Records und endet schließlich damit,
dass sich die Band auflöst, ein Großteil aus der Kommune
auszieht und schließlich noch um das Grundstück der Kommune
gekämpft werden muss. Dabei legt Penny Rimbaud großen Wert
auf den politischen Hintergrund der Band, glücklicherweise
ohne alles schönzureden. Stattdessen wird alles schonungslos
offen erzählt, was mir sehr gut gefällt.
Ich fand das Buch auf jeden Fall sehr interessant und habe
dadurch auch sehr viel neues über die Band erfahren.
Erstaunlich fand ich bspw. die Tatsache, dass die Band von
ihren Platten - trotz radikalem Inhalt und komplettem D.I.Y.
Vertrieb - mehrere 10.000 Exemplare verkauft hat. Und auch
von vielen der politischen Aktionen der Band hatte ich bisher
noch nichts gehört.
Wer sich neben der Musik auch für die Inhalte im Punk-Rock
interessiert, sollte dieses Buch auf jeden Fall mal lesen.
Völlig egal ob er/sie was mit der Band Crass anfangen kann.





Anne Ullrich / Lee Hollis: Got to land somewhere - Punk and Hardcore Live-Photos - Buch - 112 Seiten / Ventil Verlag

Cover:

Kritik:

Zu Lee Hollis muss wohl nichts mehr gesagt werden, er dürfte
durch seine Bands Spermbirds, Steakknife und 2Bad bekannt
genug sein. Anne Ullrich hat jahrelang beim Trust-Fanzine
mitgemacht und wurde durch ihre vielen Fotos von den Anfängen
der Hardcore-Szene bekannt. Hier haben sich die beiden
zusammengetan und die besten Fotos von Anne Ullrich in
Form eines Foto-Buches zusammengestellt.
Auf 112 A4-Seiten gibts haufenweise energiegeladene Fotos
aus der Anfangszeit des Hardcores in Deutschland. Das heisst
aber nicht, dass hier nur Bands aus Deutschland erscheinen.
Soweit ich weiss stammen aber die ganzen Fotos von Shows die
in Deutschland stattgefunden haben. Mit dabei sind u.a. Fotos
von Bad Brains, Youth of Today, 7 Seconds, Fugazi, Spermbirds,
Raw Power, So Much Hate, Life ... but how to live it?!, Bad
Religion, Circle Jerks, Cro-Mags, Gorilla Biscuits, Government
Issue, Heresy, M.D.C. und viele mehr. Im Unterschied zu vielen
anderen Foto-Büchern, werden die Bilder von Anne Ullrich in
diesem Buch noch von Lee Hollis kommentiert. Macht richtig Spass
das Buch durchzublättern, sich die Fotos anzuschauen und dazu
die Lee Hollis typischen Kommentare zu den einzelnen Bands zu
lesen. Meist sind die Kommentare witzig und zynisch, wie von
ihm gewohnt, wo es angebracht ist gibts aber auch kritische Töne zu
den Bands (bspw. bei den Bad Brains), was mir sehr gut gefällt.
Wer sich für die Anfangstage des Hardcore in Deutschland
interessiert, sollte sich das Buch auf jeden Fall zulegen!
Definitiv eins der besseren Foto-Bücher!





John Robb - Punk Rock: Die ganze Geschichte - Buch - 520 Seiten / Ventil Verlag

Cover:

Kritik:

John Robb, der Autor dieses Buches, wuchs in der
britischen Hafenstadt Blackpool auf und kam gleich
in den Anfangstagen zum Punk-Rock. 1977 gründete
er die Band The Membranes und gab sein eigenes
Fanzine The Rox raus. In den späten 80ern war er
als Journalist für das Sounds-Magazin tätig und
seit den 90ern ist er wieder als Musiker bei
Goldblade aktiv.
Mit "Punk Rock: An oral history" veröffentlichte
er 2006 ein extrem umfangreiches Buch zu den Anfängen
des Punk-Rock in Großbritannien, welches jetzt auch
als deutsche Übersetzung mit dem Titel "Punk Rock:
Die ganze Geschichte" erhältlich ist.
Erzählt wird die Geschichte anhand von unzähligen
Interviews mit damals beteiligten Leuten. Zuerst geht
er dabei auf die Wurzeln des Punk-Rock, wie bspw. den
Glam-Rock der 70er, ein. Danach gehts dann weiter mit
den Punk-Rock-Bands der ersten Stunde, wie bspw. London
SS, Sex Pistols, The Clash, The Damned, Buzzcocks oder
auch den Adverts. Dabei gehts erstmal hauptsächlich um
die Punk-Szene in London, später kommen aber auch andere
Städte dazu und teilweise auch andere Länder (Australien
mit The Saints und sehr interessant auch die Ausführungen
zu Nord-Irland mit Rudi, Outcasts, Undertones, Stiff
Little Fingers etc.). Nachdem die ersten Jahr ausführlich
abgearbeitet wurden, gehts weiter mit der zweiten Punk-
Welle in den Jahren 1978/79 und Bands wie Cockney Rejects,
Exploited, UK Subs, Angelic Upstarts, GBH, Sham 69 etc.
und schließlich auch den ersten Post-Punk-Bands The Fall,
Gang of Four und Joy Division. Wie oben bereits erwähnt
basiert das Ganze auf Aussagen der damaligen Protagonisten
und von den bereits genannten Bands, aber auf Club-
Betreibern, Fanzine-Machern etc.
Ich persönlich fand das Buch richtig gut und habe dadurch
viele interessante Infos bekommen, wie bspw. über einen
der ersten Indie-Vertriebe Rough Trade, die Verbindung von
Punk und Reggae (siehe The Clash oder Ruts), die legendäre
Bootsfahrt der Sex Pistols zum Jubiläum des englischen
Königshauses, die erste Punk-Single und das erste Punk-
Album die jemals veröffentlicht wurden von The Damned, die
erste Punk-Single die komplett selbst rausgebracht wurde
von den Buzzcocks etc. Alles natürlich Sachen von denen man
schon oft gehört/gelesen hat, aber selten so ausführlich
und interessant wie das hier geschieht. Wer sich in der
Punk-Szene bewegt und auch mal etwas über die Wurzeln aus
erster Hand erfahren will, sollte sich das Buch hier auf
jeden Fall zulegen.
Zum Schluss noch ein kurzer Überblick über die interviewten
Personen die im Buch zu Wort kommen: Billy Bragg, Brian James,
Captain Sensible, Charlie Harper, Don Letts, Gaye Advert,
Glen Matlock, J.J. Burnel, Jimmy Pursey, John Lydon, Lemmy,
Malcom McLaren, Mick Jones, Pauline Murray, Penny Rimbaud,
Rat Scabies, Siouxsie Sioux, TV Smith, Tony James und
viele mehr ...



Alex Gräbeldinger - Bald is Weltuntergang, bitte weitersagen! - Buch - 170 Seiten / Kopfnuss Verlag

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Kritik:

Einigen von euch dürfte Alex Gräbeldinger vielleicht von seinen
OX-Kolumnen bekannt sein, anderen von seinem ersten Buch "Ein
bekotztes Feinrippunterhemd ist der Dresscode zu meinem Lebensgefühl".
Mir war er bisher nur vom Namen bekannt, da ich seit Jahren kein OX
mehr in der Hand hatte und auch sein erstes Buch mit den gesammelten
Kolumnen an mir vorbeigegangen ist.
Beim hier vorliegenden zweiten Buch, handelt es sich auch wieder um
ein Sammlung von insgesamt 20 Kolumnen, die wohl im OX erschienen
sind + zwei Einleitungen von Jörkk Mechenbier und Jan Off, sowie einem
Nachwort seiner Frau Jenny und einem Tante Guerilla Interview mit Alex
Gräbeldinger. Yeah, und schon beim Lesen der Einleitungen wird mir
schnell klar, dass das hier genau mein Ding ist. Die Kolumnen von Alex
sind sehr unterhaltsame Kurzgeschichten, lustig geschrieben und mit viel
Wortwitz. Meistens werden dabei Alltagssituationen beschrieben und
verarbeitet, oder Jugenderinnerungen, aber auch Plattenkritiken sind
mit eingebaut. Los gehts gleich mit "Kritik der ungehörten Platten -
Johnny Cash: American Recordings I - IV" und ich muss gestehen dass
ich selten so eine unterhaltsame Plattenkritik gelesen habe. Das geht
sogar soweit, dass ich mir nach Lesen der ersten Seiten direkt eine
Johnny Cash Platte auflegen muss. Danach gehts weiter mit Geschichten
über die ersten Schlägereierfahrungen im Kindergarten, das Sexleben
von Gene Simmons, Alex' Hochzeit in Las Vegas und der Angst vor
unangekündigten Besuchen. Alles natürlich sehr kurzweilig geschrieben
und ich bin des öfteren am Lachen während des Lesens. Neben der Liebe
zu Jenny spielt die Liebe zu Punk-Rock bzw. zur Musik im Allgemeinen
natürlich auch immer wieder eine Rolle in den Geschichten und das
weiss zu gefallen. Und als ob das noch nicht genug wäre, werden die
Geschichten auch immer wieder durch Bilder von AKU untermalt, die
allesamt super umgesetzt sind und perfekt zu den Erzählungen passen.
Wow, ich bin begeistert und werde mir demnächst auf jeden Fall auch
das erste Buch "Ein bekotztes Feinrippunterhemd ist der Dresscode
zu meinem Lebensgefühl" zulegen. Zwar werde ich nur wegen den Kolumnen
von Alex Gräbeldinger jetzt nicht anfangen das OX zu lesen, aber
zukünftige Veröffentlichungen in Buchform werden sofort gekauft und
verschlungen ... und das solltet ihr auch tun!